Interview mit Wavin Vertriebsleiter Robert Rausendorf

Donnerstag, 25. April 2019

Begeisterung ist der Antrieb unseres Handelns

Robert Rausendorf, Vertriebsleiter Gebäudetechnik bei der Wavin GmbH, im Interview zu den aktuellen Trends im Umfeld der Weltleitmesse ISH sowie zu den wichtigsten strategischen Zielen des Weltmarktführers für Kunststoff-Rohrsysteme.

Herr Rausendorf, die ISH gilt als Taktgeber der Branche. Welche wesentlichen Impulse für die Gebäudetechnik erwarten Sie vom aktuellen Messegeschehen in Bezug auf zukunftsfähige Installationssysteme und aktuelle Trends?

Die digitale Transformation der Gebäudetechnik wird nach meiner Einschätzung auch in diesem Jahr eines der Leitthemen der ISH sein. Die letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass es beim Umgang mit Wasser und Energie in Gebäuden in zunehmendem Maße darum geht, alle Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette IT-gestützt zu erfassen, zu steuern und miteinander zu vernetzen. BIM, also Building Information Modeling, wird zukünftig einen immer höheren Stellenwert bei der Auftragsvergabe einnehmen. Für diese Entwicklung bietet Wavin seinen Kunden bereits heute echte Mehrwertlösungen an. Ein anderes wichtiges aktuelles Thema, dem sich unsere Branche mit höchster Intensität widmen muss, ist der Fachkräftemangel in vielen Handwerksbetrieben. Hier stehen wir vor einem Problem, das die hohe Leistungsfähigkeit der gesamten SHK-Branche einzuschränken droht.


Wie stellt sich die aktuelle Situation beim Fachkräftebedarf derzeit dar?

Die überwiegende Mehrzahl der Handwerksbetriebe arbeitet aktuell bereits an der Kapazitätsgrenze. Es sind nicht zuletzt auch die gestiegenen baulichen Anforderungen im Kontext der Energie- und Wärmewende, die derzeit in engem Zusammenhang mit einem verstärkten Fachkräftebedarf der Branche stehen. Um das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands bis 2050 umzusetzen, werden laut einer von der Prognos AG im letzten Jahr vorgelegten Studie zum Fachkräftebedarf für die Energiewende in Gebäuden bis 2025 allein in der SHK-Branche 20.000 zusätzliche Mitarbeiter benötigt, langfristig mindestens 15.000. Das stellt die gesamte Branche vor große Herausforderungen. Ein vielleicht auch an dieser Stelle interessanter Ansatzpunkt, den wir bei Wavin mit großem Interesse beobachten, ist der verstärkte Einsatz des modularen oder seriellen Bauens. Denn durch den Einsatz industriell vorgefertigter Gebäudemodule kann die Produktivität auf der Baustelle extrem erhöht werden. Ganze Installationseinheiten können in solchen werkseits vorgefertigten Modulen bereits vorbereitet werden, so dass der Fachhandwerker diese vor Ort nur noch anschließen muss. Dies reduziert unproduktive Zeiten auf der Baustelle, erfordert mitunter weniger spezielles Know-how in der Breite und erhöht die Geschwindigkeit und Effizienz der Monteure. Solche innovativen Konzepte braucht der Markt sehr dringend.


Wie beurteilen Sie als langjähriger Kenner der Branche die Marktsituation im Bereich Gebäudetechnik und welche Position bezieht Wavin strategisch in Bezug auf die Entwicklung zukunftsfähiger Systemlösungen?

Wir haben es derzeit mit einem sehr harten Verdrängungswettbewerb am Markt zu tun, in dem sich nur die besten Unternehmen auf lange Sicht durchsetzen werden. Bei Wavin verfolgen wir deshalb einen streng innovationsorientierten Ansatz, mit dem Ziel, Gebäude durch sinnvolle Installationen im Wert zu steigern und sie „smart“ und zukunftsfähig zu machen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil unserer besonderen Entwicklungsenergie, sozusagen der Kern unserer Unternehmensphilosophie und unsere ureigene Wavin-DNA. Wir stellen Produkte für den sicheren Transport von Trinkwasser oder energieeffiziente Heiz- und Kühlsysteme her, die auf lange Sicht funktionssicher und wirtschaftlich sind. Und das stets in Verbindung mit einer extremen Serviceorientierung. Das funktioniert deshalb so außerordentlich gut, weil wir stets Wert darauf legen, die Besten der Branche für eine Tätigkeit bei Wavin zu begeistern und mit ihnen gemeinsam das Ohr an den Puls des Marktes zu legen. Dadurch gelingt es uns immer wieder genau die Mehrwert-Lösungen und Service-Tools zu entwickeln, die die Branche dringend benötigt und so unsere Position als nationaler und internationaler Marktführer für Kunststoff-Rohrsysteme zu untermauern und kontinuierlich weiter auszubauen. Begeisterung ist der Antrieb unseres täglichen unternehmerischen Handels. Wir sind stets auf der Suche nach den besten Lösungen. Und weil das so ist, dürfen unsere Kunden in den nächsten Jahren noch viel von Wavin erwarten.

Sie haben bereits die Digitalisierung als einen Trend nicht nur das aktuellen Messegeschehens angesprochen. Wie positioniert sich Wavin vor dem Hintergrund eines zunehmend integral gestalteten Handelns und BIM-basierten Planens und Bauens?

Auf der Grundlage von BIM, also der Methodik des Building Information Modeling, können sämtliche relevanten Gebäudedaten schon vor Baubeginn integral betrachtet und optimiert geplant werden. Gerade größere Bauprojekte können so viel besser gehandelt werden, da der gesamte Planungs- und Bauprozess wirtschaftlicher und transparenter gestaltet werden kann. Dies bedeutet einen enormen Mehrwert für den Kunden. Auch für den späteren Betrieb des Gebäudes bietet Digitalisierung echte Vorteile dadurch, dass die verstärkt in vielen Bauteilen der Branche vorhandene intelligente Aktorik und Sensorik im Sinne eines „Smart Home-Konzeptes“ für eine effizienz- und energieoptimierte Anlagensteuerung genutzt werden können. Das ist längst keine Zukunftsversion mehr. An dieser Stelle kommt uns die internationale Ausrichtung von Wavin besonders zugute. Denn während in Deutschland BIM vielerorts fast noch in den Kinderschuhen steckt, können wir im Unternehmen auf die Erfahrungen aus den Niederlanden, Skandinavien und England zurückgreifen, wo man mit BIM schon viel weiter ist. Dies verschafft uns, und damit unseren Kunden, auch in Deutschland einen enormen Wettbewerbsvorteil.