10 Maßnahmen - Sturzfluten vermeiden
10 Maßnahmen der gezielten Prävention

Urbane Sturzfluten und Hochwasserereignisse vermeiden - 10 Maßnahmen der gezielten Prävention

In den letzten Jahren ist international eine besorgniserregende Zunahme an regional auftretenden Starkregenereignissen zu beobachten. Solche sogenannten Jahrhundertregenereignisse verursachen – wahrscheinlich infolge eines globalen Klimawandels – ernst zu nehmende Schäden an kommunalen Infrastrukturen und bedeuten eine Gefährdung für Mensch und Natur. Gerade urbane Siedlungsgebiete weisen in diesem Zusammenhang eine besonders hohe Vulnerabilität gegenüber solchen Extremwetterlagen auf. Von daher besteht an dieser Stelle besonderer Handlungsbedarf, dem durch den Klimawandel verursachten Gefährdungspotential proaktiv mit einem speziell auf diese Problemlagen abgestimmten präventiven Maßnahmenpaket zu begegnen.

Wavin hat für Sie zehn effektive Instrumente zur Prävention zusammengestellt:

1. „Schwammstädte“ errichten

In China hat sich die Anzahl der städtischen Überschwemmungen binnen weniger Jahre nahezu verdoppelt. Um dieser Entwicklung zielgerichtet mit effektiven Strategien eines naturnahen Regenwassermanagements zu begegnen, hat man sich hier bereits sehr frühzeitig mit dem konzeptionellen Ansatz einer sogenannten „Schwammstadt“ auseinandergesetzt. Kongjian Yu, Dekan des „College of Architecture and Landscape Architecture“ an der Universität Peking, definiert eine Schwammstadt als „eine Stadt, die Wasser auf natürliche Weise halten, reinigen und ableiten kann – nach einem streng ökologischen Ansatz“.

Abflusswirksame Flächen von der Kanalisation abzukoppeln birgt in vielerlei Hinsicht außerordentliche Vorteile. Zum einen wird die hydraulische Systembelastung leitungsgebundener Infrastrukturen in erheblichem Umfang   reduziert. Zusätzlich wird dabei die Wassersensibilität im urbanen Kontext dadurch gesteigert, dass die Oberflächen einer Schwammstadt stärker als bisher für die Aufnahme und Speicherung großer Niederschlagsmengen angelegt werden. Anstatt das Regenwasser also schnellst möglich in Kanäle abzuleiten, wird dieses in der Schwammstadt für eine spätere Nutzung erhalten. Dabei geht es in erster Linie vor dem Hintergrund einer gezielten Klimafolgenanpassung um die Entwicklung nachhaltiger Speicher- und Bewässerungssysteme.

Hier sind verschiedene Anwendungsbereiche denkbar: mit gespeichertem Oberflächenwasser können Pflanzen, Bäume, Agrarflächen sowie Obst und Gemüse bewässert werden. Lässt man Regenwasser ortsnah versickern, führt dies dazu, dass Grundwasserspeicher regelmäßig wieder aufgefüllt werden. Darüber hinaus besteht im  Haushalt die Möglichkeit, Regenwassernutzungsanlagen zu installieren, um Regenwasser etwa für die Toilettenspülung einzusetzen.

Arcadis, ein strategischer MEP-Partner von Wavin, ist hauptverantwortlich mit dem chinesischen „Sponge City Project“ in Wuhan betraut. Wuhan ist die erste von insgesamt 16 Städten, die als sogenannte Beta-Sites von der chinesischen Zentralregierung für diese Initiative ausgewählt wurden. Die im Rahmen dieses Projektes gewonnenen Erkenntnisse werden zukünftig auf ihre Übertragbarkeit für andere internationale Projekte überprüft werden.

Dihua Li, Vizedekan der „Graduate School of Landscape Architecture“ an der Universität von Peking, erläutert das Konzept der „Schwammstadt“.

2. Gründächer/Dachgärten

Begrünte Dächer können – abhängig von ihrem Aufbau und der vorhandenen Vegetation – 40 bis 99 % des jährlichen Niederschlags speichern und verdunsten. Dies trägt erheblich dazu bei, Kanalisationssysteme zu entlasten und Überschwemmungsrisiken zu verringern. Bauherren profitieren dabei gleich in mehrfacher Hinsicht von begrünten Dachflächen, da diese einen positiven Effekt auf die Gebäudekühlung, die Luftbefeuchtung und die Feinstaubfilterung haben. Die auf dem Dach befindlichen Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und geben im Anschluss wieder frische, reine Luft an die Umgebung ab. Zugleich wird das saure Regenwasser neutralisiert und die Stickstoffkonzentration, die das Regenwasser verunreinigt, deutlich reduziert.

3. Retentionsräume schaffen - Lebensräume schützen

Begradigungen ursprünglicher Flussläufe und ein verstärkter Ausbau natürlicher Gewässer haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass von den einst in Deutschland vorhandenen Auen nur noch ein Drittel für die Aufnahme von Hochwasser zur Verfügung stehen. Hinzu kommen intensive Maßnahmen der Eindeichung. Vielerorts im Land sind große Teile der natürlichen Auenflächen durch Deiche vom Fluss abgeschnitten. Obendrein führt eine zunehmende Flächenversieglung zu einer Beschleunigung von Hochwasserwellen und zu einem deutlich erhöhten Schadensrisiko. An dieser Stelle ist ein Paradigmenwechsel in Richtung der vermehrten Schaffung von Retentionsflächen dringend erforderlich. Bei solchen Retentionsräumen handelt es sich um ungenutzte Flächen neben Flüssen und Bächen, die bei Hochwasser überflutet werden können, um so ein starkes Ansteigen des Wassers zu verhindern und Siedlungsräume zu schützen.


4. Trennsysteme etablieren - Kosten reduzieren

Früher war es oftmals üblich, Schmutz- und Regenwasser über einen gemeinsamen Kanal in einem sogenannten Mischsystem in Richtung Kläranlage abzuleiten. Heute gehen Kommunen immer öfter dazu über, im Sinne der Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes, besonders bei Neubaumaßnahmen, Schmutz und Regenwasser voneinander zu trennen. Dies verhindert nicht nur eine hydraulische Überlastung leitungsgebundener Infrastrukturen, sondern führt zu einer deutlichen Entlastung von Kläranlagen und damit zu erheblichen Einsparungen im kommunalen Haushalt.

5. Einsatz von Versickerungs- und Rückhaltesystemen

Extreme Regenereignisse zu meistern ist die größte Herausforderung bei der Regenwasserbewirtschaftung – und der beste Hochwasserschutz. Mit Versickerungs- und Rückhaltesystemen wie Q-Bic, Q-BB, AquaCell sowie dem neuesten Produkt Q-Bic Plus macht Wavin Niederschlagsspitzen beherrschbar und minimiert das Risiko von Überflutungen.

Wavin Q-Bic Plus ist die innovative und moderne Antwort für effiziente, dezentrale Regenwasserbewirtschaftung. Mit einer vollständig neuartigen Konstruktion haben die Ingenieure von Wavin ein modulares Versickerungs- und Rückhaltesystem entwickelt, das bereits heute den zukünftigen Anforderungen gerecht wird. Hergestellt aus 100 % Polypropylen (PP) Neumaterial bietet das System hervorragende und konstante Materialeigenschaften, wodurch eine Lebensdauer und Funktionssicherheit von über 50 Jahren erreicht werden kann.

Wavin Q-Bic Speicherelemente sind sehr leicht und dadurch einfach zu transportieren, auszurichten und einzubauen. Die äußerst robusten Hohlkörper haben ein Bruttovolumen von 432 Litern, sind 1200 x 600 x 600 mm (LxBxH) groß und besitzen einen 500 mm großen Inspektions- und Reinigungstunnel. Je nach Einbauweise kann ein Q-Bic zudem als Schacht-, Anschluss-, Inspektions-, Reinigungs- oder einfach nur als Speichermodul eingesetzt werden.

Wavin Aquacell Plus wurde für Versickerungs- und Rückhalteanlagen konzipiert, die bei Schwerlastverkehr und hohen Grundwasserständen installiert werden. Kompakte Zugangskanäle mit einem Durchmesser von 160 mm ermöglichen einen leichten Zugang für Inspektionskameras.


6.Saubere Kanäle für eine uneingeschränkte Funkionalität

Sedimentablagerungen beeinträchtigen die uneingeschränkte Funktionalität von Kanalisationssystemen. Solche Ablagerungen verringern den Abflussquerschnitt und führen im schlimmsten Fall zu Verstopfungen. Auch Abfall, Schutt, Baumwurzeln und Blättern haben in einer Kanalisation nichts zu suchen. Zusätzliche Probleme entstehen dadurch, dass manche Werkstoffe zu Rost und Korrosion neigen. Die Kunststoffkanalsysteme von Wavin sowie die Tegra-Schächte korrodieren nicht und sind leicht zu reinigen und zu kontrollieren. Die passende Lösung für die Zukunft!

7.Ökologische Flächenbefestigung: Durchlässige Pflaster, Gehwege und Gärten

Durch eine ständige Zunahme versiegelter Flächen wird der natürliche Wasserkreislauf nachhaltig beeinträchtigt. Werden Oberflächenabflüsse verstärkt in die Kanalisation abgeleitet, wird weniger Regenwasser verdunstete oder versickert, was zu sinkenden Grundwasserspiegeln, zu erhöhten Lufttemperaturen und im schlimmsten Fall gar zu Überschwemmungen führt. Durch den Einsatz ökologischer Flächenbefestigungen wird der Eingriff in den natürlichen Wasserkreislauf auf ein Minimum reduziert. Dies entspricht den Forderungen zahlreicher Umweltinitiativen sowie den Vorgaben des Wasserhaushaltsgesetzes, Paragraph 55, demzufolge Niederschlagswasser ortsnah versickert oder verrieselt werden soll. Dergestalt kann das Regenwasser durch die verstärkte Verwendung wasserdurchlässiger Oberflächenmaterialien in den Boden abgeleitet werden. Diese als Infiltration bezeichnete Bewegung des Sickerwassers von oben in den Boden hinein hat zudem einen sehr positiven Effekt auf die vorhandene Vegetation.

8.Vorbeugende Schutzmaßnahmen am Gebäude

 

Trotz einer Vielzahl gezielter Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung weisen Häuser und Gebäude im Ernstfall mitunter eine hohe Vulnerabilität gegenüber Überschwemmungen auf. Hier können zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zielführend sein. Das Eindringen von Wasser in Gebäude führt im Allgemeinen nicht zu einer Gefährdung seiner Standsicherheit, jedoch zu nachhaltigen Schäden am Gebäude (zum Beispiel an Türen, Fenstern, Haustechnik, Putz, Tapeten, Bodenbelägen) und an der Inneneinrichtung. Ziel gebäudebezogener Schutzmaßnahmen sollte daher sein, das Eindringen von Wasser in das Gebäude zu verhindern oder zumindest zu begrenzen. Weitere Maßnahmen umfassen die Erhöhung von Wandsteckdosen, oder ein Austausch von MDF- oder Gipskartonplatten durch haltbarere Materialien.

Schützen Sie Ihre Immobilie, denn ein überflutetes Haus ist keine Freude!

9. Ausbau der Warnmechanismen bei Hochwassergefahr

Der effektive Einsatz von Frühwarnsystemen im Zusammenhang mit Stürmen und Überschwemmungen ermöglicht es den Bürgerinnen und Bürgern proaktiv Gebäude und Infrastruktureinrichtungen zu schützen und Mensch und Natur vor Schäden zu bewahren. Auch ein flächendeckend umgesetztes europäisches Hochwasserfrühwarnsystem oder ein System zur Deichüberwachung könnte dazu beitragen, rechtzeitig vor Naturkatastrophen und Überschwemmungen zu warnen. Hier wird mit Hochdruck daran gearbeitet, modernste globale Prognosesysteme und Frühwarnmechanismen zu verfeinern, um "ein operationelles Instrument für Entscheidungsträger zu schaffen, darunter nationale und regionale Wasserbehörden, Wasserressourcenmanager, Wasserkraftwerke, den Katastrophenschutz sowie Ersthelfer und internationale humanitäre Hilfsorganisationen". (Die Europäische Kommission - Gemeinsame Forschungsstelle (GFS)

10. Er­grei­fen Sie ge­zielt Maß­nah­men!

Jeder Einzelne kann einen gezielten Beitrag zur Prävention urbaner Sturzfluten sowie zur Verhinderung von Hochwasserereignissen leisten. An dieser Stelle sind nicht nur Institutionen der Regierung, Behörden, Kommunen, Umweltschützer oder Stadtplaner gefragt. Wir alle – jeder von uns – muss persönlich dafür Verantwortung übernehmen, gezielte Anpassungsstrategien an einen globalen Klimawandel mit zu gestalten. Ob im Rahmen eines ökologisch verantwortungsvollen naturnahen Regenwassermanagements oder durch die zunehmende Errichtung von Gründächern: Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um Strategien für eine nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung auf den Weg zu bringen.

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur werden sich die jährlichen Hochwasserschäden bis zum Jahr 2050 verfünffachen und bis zum Jahr 2080 um den Faktor 17 erhöhen. Im Rahmen eines von der EUA zu diesem Thema veröffentlichten Berichts wird deutlich auf die Notwendigkeit gezielter Klimaanpassungsstrategien in Europa hingewiesen. Hier, wie an verschiedener anderer Stelle, lautet das klare Postulat, dass präventive Maßnahmen eher früher als später ergriffen werden müssen. Der hier eingeforderten Verantwortung stellt sich Wavin mit Nachdruck. Das Unternehmen wird auch in Zukunft eine führende Rolle bei der Entwicklung und Produktion zukunftsweisender, nachhaltiger Regenwasserlösungen einnehmen – um die Häufigkeit städtischer Überschwemmungen zu verringern und einen gezielten Beitrag zur Anpassung an die Realität des Klimawandels zu leisten.