Trinkwasserqualität
Was gilt es in der Praxis zu beachten?

Mittwoch, 24. April 2019

Saubere Trinkwasserversorgung

Dem Trinkwasser kommt hierzulande eine besondere Bedeutung zu. Aus gutem Grund ist der Qualitätsanspruch sehr hoch. 99 Prozent aller im Wasser vorkommenden Mikroorganismen neigen dazu, wasserkontaktierte oder wasserbenetzte Oberflächen und Materialien zu besiedeln. Von dort aus, können sie gefährliche Krankheiten auslösen. Um ein verkeimen der Anlage zu verhindern sind daher entsprechende Spielregeln zu beachten, um spätere Mängel vorzubeugen.

Mikroorganismen neigen zum besiedeln aller Materialien. Besonders förderlich für ein Wachstum sind Gummi und Silikone - Materialien, die in nahezu allen Trinkwasserinstallationen zu finden sind. Faktoren wie PH-Wert, Nährstoffangebot, Sauerstoff und Temperatur spielen zudem eine Rolle. Umso wichtiger ist es, diese Parameter zu kennen und die gängigen Installationsrichtlinien einzuhalten.

Mikroorganismen im Trinkwasser

Neben anderen Mikroorganismen gehören die Pseudomonaden und Legionellen zu den am häufigsten anzutreffenden im Trinkwassersystem. Sie kommen zum einen planktonisch, d. h. im Wasserstrom schwebend vor. Bevorzugte Besiedlungsstätten sind außerdem Engstellen in der Anlage oder raue Oberflächen. Biofilme an diesen Stellen geben einen optimalen Nährboden und begünstigen das Wachstum der Organismen zusätzlich. Die optimalen Bedingungen für ein Wachstum liegen bei Temperaturen von 32 bis 43 °C und einem pH-Wert zwischen 5,0 und 8,5.

Im System richten die Lebewesen erst einmal kaum Schaden an. Treten sie allerdings beispielsweise in einer Dusche als Aerosol aus und werden eingeatmet, können sie verheerende Krankheitsbilder auslösen. Zu den Risikopersonen gehören unter anderen ältere Menschen, immungeschwächte Personengruppen bzw. chronisch Lungenkranke. Bei ihnen kommt es meist zum Pontiac-Fieber (grippeähnliche Erkrankung) innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Legionellose gehört ebenfalls zu den Krankheitsbildern. Diese schwere Form der Lungenentzündung ist seit 1976 bekannt und braucht ca. 2 bis 10 Tage bis zum Ausbruch.

Technische Maßnahmen

Um solche Szenarien zu verhindern, gilt es die einschlägigen Normen und Richtlinien einzuhalten und umzusetzen. Hierzu zählt das DVGW-Arbeitsblatt W 551. Die darin formulierten Vorgaben und Anforderungen gewährleisten bei Einhaltung einen hygienisch sicheren Betrieb von Trinkwasser-Installationen. Insgesamt ergeben sich fünf Grundregeln:

  • Minimiere Strecken, Volumina, Totstränge.
  • Kaltes Wasser muss kalt sein: < 25 °C. Abstand zwischen Kalt- und Warmwasserleitungen so groß wählen, dass keine Wärmeübertragung stattfinden kann.
  • Warmes Wasser muss warm sein: Warmwasser an jeder entnahmestelle > 55 °C, Zirkulation-Rücklauf ≥ 55 °C.
  • Wasser muss fließen: Keine Stagnation.
  • Jeder muss wissen, was er zu tun hat: Betreiberpflichten / Wartung / Dokumentation.

Besonders in Altbauten finden sich immer wieder unbenutzte Leitungsstrenge. Diese gilt es zu lokalisieren und zu entfernen, um an solchen Stellen ein Verkeimen vorzubeugen. Ebenfalls gilt es den Nutzer davon zu überzeugen, dass jede Auslaufstelle seinem Nutzen zugeführt wird. Soll heißen: Beispielsweise eine Badewanne – auch wenn sie nicht gebraucht wird – muss auch als solche genutzt und stetig gespült werden. Ansonsten drohen hygienisch bedenkliche Zustände, die auf das gesamte System zurückfallen können. Gleichen gilt für die Filteranlage am Hauswasseranschluss. In der Praxis kann häufig beobachtet werden, dass der Kartuschenwechsel vernachlässigt wird. Ein automatischer Rückspülfilter stellt eine gute Alternative dar.

Doch nicht nur die Gegebenheiten vor Ort müssen überprüft werden. Genauso wichtig ist es, sich selbst und sein Material auf Qualität zu prüfen. Dazu zählt, das Material auf ihre Zulassungsverwendung zu kontrollieren. Ebenfalls sind die Rohre und die Fittings gegen das Eindringen von Verschmutzungen zu schützen. Hierzu bieten die jeweiligen Qualitätshersteller wie Wavin beispielsweise Verschlussstopfen für die Rohre an. Diese sollten auch nach dem Ablängen des Rohres weiterhin Verwendung finden.

Auslegung und Leitungsführung

Die DIN EN 806 (Technische Regeln Trinkwasserinstallation) gibt vor, dass eine Installation für eine kalkulierte Lebensdauer von 50 Jahren den funktionalen Anforderungen entsprechen muss, keinen Schaden anrichten und die Gesundheit nicht gefährden darf. Um die Trinkwasserhygiene langfristig gewährleisten zu können, ist es wichtig die genauen Nutzungsbedingungen in der Planungsphase festzulegen. Denn nur mit einer solchen Bedarfsermittlung können die Leitung entsprechend dimensioniert werden. Eine optimale Planung sieht klein dimensionierte Rohrleitungssysteme vor, die mit strömungsgünstigen Bauteilen und mit geringen Wassermengen in den Rohrleitungen ausgeführt werden soll. Dabei ist eine Überdimensionierung zu vermeiden, damit ein stetiger Wasseraustausch gegeben ist.

Aus hygienischer Sicht sollten die Leitungen als Reihen- oder Ringinstallation ausgeführt werden. In der Reihenleitung müssen die Entnahmestellen mit einem Doppelanschluss versehen werden. Das Rohr wird von einer Entnahmestelle unmittelbar zur nächsten weitergeführt. Der am häufigsten benutzte Verbraucher (z.B. WC-Spülkasten) sollte dabei am Reihenende liegen. In Anlagen, die keinen Hauptverbraucher haben, sollte hingegen ein Ringsystem vorgesehen werden. Wie in der Reihenleitung müssen dabei die Entnahmestellen mit einem Doppelanschluss versehen werden und das Rohr wird von einer Entnahmestelle unmittelbar zur nächsten weitergeführt. Nun wird die Leitung von der letzten Entnahmearmatur zurück zum Verteiler geführt. Bei diesem System strömt das Wasser bei einer Wasserentnahme von beiden Seiten zur entsprechenden Auslaufarmatur und durchströmt alle Anschlüsse. So entsteht:

  • ein optimaler Wasseraustausch (hygienisch einwandfreies Wasser) sowie eine gleichmäßige Druck- und Wärmeverteilung.
  • ein geringerer Druckverlust gegenüber der Reiheninstallation und dadurch ist der Anschluss von deutlich mehr Sanitärobjekten möglich.

Eine T-Stück-Installation sollte entgegen der gängigen Praxis nur bei häufig und regelmäßig genutzten Entnahmestellen verwendet werden. Wobei man unter „häufig“ „täglich“ verstehen sollte.

Die Temperaturen von Kalt- und Warmwasserleitungen sind generell durch fachgerechte Verlegung und Dämmung zu begrenzen. Zu den wichtigen Maßnahmen zählen der Abstand der Kaltwasserleitungen zu wärmeführenden Installationen, keine Durchführungen durch Heizestriche sowie separate Schächte für Steigleitungen. Auf diese Weise wird garantiert, dass Kaltwasser maximal bis 25 °C erwärmt wird und die Temperatur des Warmwassers nicht unter 55 °C sinkt. Diese Werte gelten für alle Teile des Systems.

Um­gang mit der Zir­ku­la­ti­on

Zir­ku­la­ti­ons­sys­te­me sind eben­falls wich­ti­ge Be­stand­tei­le, um die Hy­gie­ne in der An­la­ge auf­recht­zu­hal­ten. Daher sind sie in den Merk­blät­tern W 551 und W 553 des DVGW zu fin­den und in jeder Gro­ß­an­la­ge zu in­stal­lie­ren. Hier­zu zäh­len An­la­gen:

  • mit einem In­halt des Warm­was­ser­spei­chers bzw. -er­wär­mers > 400 l und/oder
  • mit einem In­halt der längs­ten Rohr­lei­tung > 3 Liter (Rohr­in­halt Warm­was­ser vom Ab­gang Trink­was­ser­er­wär­mer bis zur Ent­nah­me­stel­le).

Bei der Pla­nung ist be­son­ders auf die Be­mes­sung von Lei­tung und Pumpe zu ach­ten. Im zir­ku­lie­ren­den Was­ser­strom darf die Warm­was­ser­tem­pe­ra­tur nach DIN 1988-200 nicht mehr als 5 K ab­küh­len. Zudem ist die Pumpe so ein­zu­stel­len, dass sie in­ner­halb von 24 Stun­den nur ma­xi­mal 8 Stun­den still­steht - und das auch nur bei ein­wand­frei­en hy­gie­ni­schen Ver­hält­nis­sen, wie die Trink­was­ser­ver­ord­nung vor­gibt.

Um Platz bei der In­stal­la­ti­on zu spa­ren, kön­nen in­nen­lie­gen­de Zir­ku­la­ti­ons­sys­te­me, wie vom Un­ter­neh­men Wavin an­ge­bo­ten, ver­wen­det wer­den. Das ist eine ef­fi­zi­en­te Form der In­stal­la­ti­on und bie­tet, neben dem ge­spar­ten Plat­ze, ei­ni­ge Vor­tei­le:

  • Kein se­pa­ra­tes Be­fes­ti­gungs­ma­te­ri­al.
  • Keine se­pa­ra­te Däm­mung.
  • Kein se­pa­ra­ter Brand­schutz.
  • Ge­rin­ge­rer Ma­te­ri­al­auf­wand.
  • Keine zu­sätz­li­chen En­er­gie­ver­lus­te durch ex­ter­ne Zir­ku­la­ti­on.
  • Nach­rüst­bar in vor­han­de­ne In­stal­la­ti­on (ab­hän­gig von der Stei­glei­tungs­di­men­si­on, diese muss bei der Ver­wen­dung eine Di­men­si­on grö­ßer ge­wählt wer­den als be­rech­net).

Werk­stof­fe mit Qua­li­tät

Alle Bau­tei­le und Ma­te­ria­li­en, die mit Trink­was­ser in Be­rüh­rung kom­men, dür­fen kei­ner­lei Be­ein­träch­ti­gun­gen der Trink­was­ser­qua­li­tät be­wir­ken. Kunst­stof­fe im Sinne des Le­bens­mit­tel- und Be­darfs­ge­gen­stän­de­ge­set­zes kön­nen un­ein­ge­schränkt ver­wen­det wer­den. Diese Werk­stof­fe ver­fü­gen über eine Zu­las­sung, die deren Eig­nung ein­deu­tig fest­stellt und die KTW-Emp­feh­lung (le­bens­mit­tel­phy­sio­lo­gi­sche Un­be­denk­lich­keit, KTW steht für „Kunst­stoff-Trink­was­ser“) des Bun­des­ge­sund­heits­am­tes an­zeigt. Au­ßer­dem er­fül­len sie die An­for­de­run­gen des DVGW-Ar­beits­blat­tes W 270 (mi­kro­or­ga­ni­sches Wachs­tum). Kunst­stof­fe mit ent­spre­chen­dem Prüf­zer­ti­fi­kat er­fül­len alle ein­schlä­gig ge­for­der­ten An­for­de­run­gen. Me­tal­le, die auf der Po­si­tiv­lis­te des Um­welt­bun­des­am­tes auf­ge­führt sind, kön­nen eben­falls be­den­ken­los in der Trink­was­ser­in­stal­la­ti­on ein­ge­setzt wer­den. Wavin ver­wen­det aus­schlie­ß­lich auf der UBA-Liste ge­führ­te Me­tal­le. Qua­li­täts­pro­duk­te wie die Wavin Mehr­schicht-Ver­bund­rohr­sys­te­me tra­gen das DVGW-Zei­chen und er­fül­len die An­for­de­run­gen der KTW-Prü­fun­gen sowie des Ar­beits­blatts W 270. Auf die­ses Zei­chen ist stehts zu ach­ten.

Hygiene bis zur Inbetriebnahme

Auch bei der Dichtheits-/Druckprüfung muss hygienebewusst vorgegangen werden, etwa entsprechend des ZVSHK-Merkblatts „Dichtheitsprüfung von Trinkwasser-Installationen“ und der BHKS-Regel 5.001 „Druckprüfung von Trinkwasserleitungen“ (BHKS – Bundesindustrieverband Heizungs-, Klima-, Sanitärtechni/Technische Gebäudesysteme e. V.). Eine hygienisch einwandfreie Dichtheitsprüfung ist nur in Form einer „Trockenprüfung“ mit ölfreier Druckluft oder Inertgas (Stickstoff oder Kohlendioxid) möglich.

Zu guter Letzt sind Planer und Verarbeiter verpflichtet, eine Übergabe der Trinkwasserinstallation an den Betreiber vorzunehmen und ihn mit allen hygiene- und sicherheitsrelevanten Bedienungen der Anlage vertraut zu machen. Dann kann die Anlage für Trinkwasser so sicher betrieben werden, wie sie geplant, installiert und geprüft wurde.